Die "Sonne" geht auf - ein Besuch auf Deutschlands modernstem Forschungsschiff

Am 24. November bestand für uns, eine Gruppe aus Studierenden, Mitarbeitern und Professoren des Bereich Seefahrt, die Möglichkeit, das neue Schmuckstück der deutschen Forschungsschifffahrt exklusiv und noch vor der allgemeinen Rostocker Öffentlichkeit zu erkunden.


Die nagelneue FS Sonne wurde erst in diesem Jahr auf der Meyer Werft fertig gestellt und diesen Sommer am 11. Juli von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Warnemünde getauft. Sie ist für die Tiefseeforschung im Pazifik und dem indischen Ozean konzipiert und wird Ende des Jahres dort ihre gleichnamige Vorgängerin ablösen.


Bereits während meines Einsatzes auf AIDAstella bin ich der Sonne begegnet, bei strahlendem Sonnenschein und mitten in der Biskaya, als sich das Forschungsschiff gerade auf einer Erprobungsfahrt befand.


Die Sonne fährt unter der Bundesdienstflagge und wird durch die Reederei Briese bereedert. Die Besatzung setzt sich nahezu komplett aus deutschen Seeleuten zusammen.


Weitere Daten:

Baujahr:                                  2014

Bauwerft:                                Meyer Werft, Papenburg

Flagge:                                     Bundesdienstflagge

Rufzeichen:                             DBBE

Länge (über alles):                 118,42m

Breite:                                      20,6m

Tiefgang:                                 6,6m

Vermessung:                          8554 BRZ

Antrieb:                                   zwei Elektrofahrmotoren, je 1150kW

                                                 vier Dieselgeneratorn, je 1620kW

                                                 zwei Azimuth-Strahler, je 860kW

                                                 ein Pumpjet, 2990kW

                                                 Flossenstabilisatoren


Auf der Sonne also schließlich angekommen übernahm für uns der Erste Offizier und später der Leitende Ingenieur persönlich die Führung und zeigten uns auch Bereiche des Schiffes, die für den offiziellen Open-Ship-Termin gar nicht vorgesehen waren.


Los ging es in der hellen und freundlich gestalteten Messe und dem Aufenthaltsraum für die bis zu 35 Besatzungsmitglieder und maximal 40 Forscher:

Anschließend folgte direkt das Highlight für die Nautiker unter uns, es ging auf die Brücke.


Ausgestattet mit mehreren sogenannten Multi-Pilots, modernster Brandmelde- und Sicherheitstechnik, speziellen Sonar- und Echolotanlagen und natürlich einem brandneuen Dynamik-Positioning-System (DP), welches in der Lage ist automatisch die Position des Schiffes auf wenige Meter genau zu halten und zu korrigieren, lässt diese Brücke absolut keine Wünsche für den Nautiker offen. Da geht selbst einem Kreuzfahrer das Herz auf, auch wenn unsere Brücken nahe an diese Ausstattung herankommen.

Durch die langen Gänge und farbig gestaltete Decks, welche die Orientierung für Nicht-Seeleute wie die Forscher einfacher gestalten sollen, besichtigten wir dann die Labore auf dem Hauptdeck und das großzügig gestaltete Achterschiff mit dem großen Heckkran.

Im Anschluss ging es dann mit Chief in den Bauch des Schiffes und durch die verschiedenen Maschinenräume. Neben dem diesel-elektrischen Hauptantrieb verfügt die Sonne noch über je einen ausfahrbaren Azimuth-Strahler vorn und achtern sowie einen Pumpjet Antrieb zum Manövrieren. Somit kann sie auf kleinstem Raum problemlos manövriert werden und mit Hilfe des bereits zuvor erwähten DP-Systems auch problemlos die Position halten und somit gute Voraussetzung für erfolgreiche Forschungsarbeiten schaffen.


Natürlich ist auch die Sonne mit Ballastwasseraufbereitungsanlagen und den sonstigen Hilfsaggregaten und Generatoren ausgestattet, insbesondere starken Kompressoren für die Versorgung von Forschungsgeräten mit Druckluft.


Als Besonderheit verfügt die Sonne jedoch noch über einen Windenraum, in welchem sämtliche Winden der Kräne und für die Forschungsgeräte untergebracht sind und einen wartungsärmeren und längeren Betrieb zu ermöglichen.

Es war ein sehr spannender Einblick in die Forschungsschifffahrt, der definitiv Lust auf diese Art der Seefahrt gemacht hat.


Die Sonne befindet sich jetzt auf dem Weg nach Gran Canaria und wird dann über die Dominikanische Republik und den Panama-Kanal in den Pazifik aufbrechen, um dort in ihrem Bestimmungsgebiet die Arbeit aufzunehmen.


Da bleibt nur eines zu Wünschen: Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Aber das sollte in der Tiefsee ja nicht das große Problem werden ;-)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0