Mit der Hybridfähre durch den Fehmarnbelt

Herbstliche Grüße aus Warnemünde!


Vor 4 Wochen hat das Semester wieder angefangen. Das erste Studienjahr verging wie im Flug und nun bin ich schon im 3. Semester.


Nachdem die Module im ersten Studienjahr mit Mathematik, Englisch, Physik oder Elektrotechnik eher allgemein gehalten waren, beschäftigen wir uns jetzt mit Fächern wie Navigation, Brandschutz, Meteorologie oder Personalführung, die direkt Bezug nehmen auf unsere späteren Arbeitsbereiche.


In den Sommersemesterferien habe ich die Seefahrt einmal von einer anderen Seite kennenlernen können.
Da ich im Rahmen der Praxisausbildung auf den Kreuzfahrern von AIDA Cruises nicht alle Ausbildungsinhalte des Training Record Books des BSH absolvieren kann, habe ich 8 Wochen an Bord einer Fähre verbracht. Wir fuhren stündlich zwischen Puttgarden und Rødby hin und her und transportierten in der Hochsaison bis zu 1200 Passagiere, an die 110 PKW, 30 LKW und gelegentlich einen Zug.

Während meiner ersten Woche an Bord erhielt ich durch den 1. Nautischen Offizier eine ausführliche Einweisung. Wir machten einen umfangreichen Schiffsrundgang, auf dem er mir die Notausgänge, Rettungsmittel, Decksaufteilung und Anlagen an Deck sowie den Maschinenraum und den MKR zeigte. Auf der Brücke durfte ich die An- und Ablegemanöver beobachten und die Offiziere erklärten mir die Systeme zur Navigation und des Ladungsumschlags.

Auf den Ladedecks 3, 4 und 5 zeigte mir die Decksbesatzung ihre verschiedenen Aufgaben und den Umgang mit den Schalttafeln zur Bedienung der Brücken, Türen und Schranken.

 

Die meiste Zeit meines Praktikums verbrachte ich auf den Ladedecks. In den ersten Wochen während der Hauptsaison wurde die Decksbesatzung dort auch durch landseitige Ladehelfer unterstützt, sodass ich sowohl auf Deck 5 als auch auf Deck 3 eingesetzt wurde. Unten auf dem LKW- und Eisenbahndeck half ich bei der Einweisung der Fahrzeuge, dem Anschließen der Züge an die bordseitige Strom- und Druckluftversorgung, dem Zufahren der inneren Bugtür sowie des Bugvisiers und der Sicherheitsrunde. Der Aufenthalt auf dem Eisenbahndeck war den Passagieren während der Überfahrt nicht gestattet. Daher musste nach
dem Ablegen überprüft werden, ob das Deck frei von Personen ist.


Auf dem Autodeck 5 fanden neben PKWs auch Wohnwagen, Wohnmobile, Motorräder und Transporter Platz. Nach einigen Tagen durfte ich das Be- und Entladen dort bereits alleine, unter Aufsicht des zuständigen Schiffsmechanikers, koordinieren. Nach dem Umschalten der Ampelanlage auf grün, wurden die Schranken an Bord geöffnet. War das Schiff fest, öffnete ich auch die landseitige Schranke und schaltet die Ampelanlage auf der Fahrzeugbrücke auf grün, sodass die Fahrzeuge zweispurig ablaufen können. War das Deck vollständig entladen, rief ich über Funk den Autoplatz und meldete das Deck klar zum Beladen. Daraufhin bekamen wir Rückmeldung über die Anzahl und Art der Fahrzeuge, die auf dem Autoplatz auf die Beladung warteten, um dementsprechend stauen zu können. Auf dem Autodeck gab es insgesamt 6 Spuren.
Zu zweit übernahm jeder eine Seite des Decks. So konnte schneller und effizienter gestaut werden. Um möglichst viele PKWs laden zu können, verteilte ich die Fahrzeuge gleichmäßig und je nach ihrer Größe auf die einzelnen Spuren. Nach der Beladung wurden die Ampeln wieder auf rot geschaltet und die Schranken an Land wie an Bord geschlossen. Nachdem das Bugvisier geschlossen war, machten wir unsere Sicherheitsrunde und achteten darauf, dass kein Fahrzeug Flüssigkeit verlor, die Motorräder sicher gelascht, keine Personen eingeschlossen, alle Scheinwerfer ausgeschaltet und alle Fenster weit genug geschlossen waren.


Während einer Überfahrt hatte ich die Gelegenheit, einem der Schiffsmechaniker bei der Reparatur eines Tisches zu helfen, dessen Platte sich von ihrem Fuß gelöst hatte. In der Werkstatt durfte ich beim Schweißen selbst Hand anlegen, bevor wir den Tisch wieder an Deck montierten.


Ein besonderes Highlight für mich war die Teilnahme an einer Schulung der Ingenieure und des Elektrikers für das neuartige Batteriesystem des Hybridantriebs der Doppelendfähren der Vogelfluglinie. Durch meine guten Englischkenntnisse konnte ich als Dolmetscherin gute Dienste leisten, da die Schulung von einem kanadischen Mitarbeiter der Batteriefirma geleitet wurde. Er erklärte uns die Funktionsweise und den Aufbau der Batterien und anschließend schauten wir uns
die Batterieeinheiten und Managementsysteme vor Ort an.


Auch im Maschinenkontrollraum (MKR) war ich jeder Zeit willkommen. Der technische Offizier erklärte mir z.B. die Funktionsweise der automatischen Krängungsanlage, die verschiedenen auflaufenden Alarme auf dem integrierten Überwachungs-, Alarm- und Steuerungssystem und die Vorgänge bei der Abgabe von Schwarzwasser, beim Bunkern oder dem Aufladen der Batterien im Hafen. Regelmäßig nahmen wir Wasserproben, um den pH- Wert, den Chlorgehalt, die
Leitfähigkeit und den Härtegrad zu bestimmen.


Nach meinem dritten, 8 wöchigen Einsatz auf dem Fährschiff Schleswig-Holstein blicke ich auf ein sehr gelungenes und lehrreiches Ladungspraktikum zurück, in denen ich das Schiff von oben bis unten kennenlernen und Einblick in die verschiedensten Bereiche des Schiffbetriebes gewinnen konnte.
Durch die Arbeit mit den Wachoffizieren lernte ich ihren Arbeitsplatz und die Aufgaben, die mich nach dem Studium auf einem Ro-Pax Schiff erwarten würden, im Detail kennen. Ich wurde von allen sofort in die Teamarbeit eingebunden und bekam stets eine freundliche Antwort auf jede meiner Fragen. Gerade die Kollegen, die mich so herzlich in ihre Gemeinschaft aufgenommen und mir all diese Einblicke gewährt haben, machten die Zeit an Bord für mich zu etwas ganz Besonderem.


Die Zusammenarbeit mit dem TO sowie dem leitenden technischen Offizier außerhalb meiner regulären Arbeitszeit hat mir besonders viel Spaß gemacht. Besonders der tiefere Einblick in das Batteriesystem des Hybridantriebes war für mich sehr interessant, da diese Technologie in den nächsten Jahren sicherlich auf weiteren Schiffen zum Einsatz kommen wird, um Treibstoff zu sparen und Emissionen zu senken.


Nach meinem dritten Bordpraktikum fühle ich mich nun gut auf das 3. und 4. Semester meines Nautik-Studiums an der Hochschule Wismar am Standort Warnemünde vorbereitet und freue mich bereits auf meine weiteren Einsätze an Bord und dann das im Studium erlangte Wissen anwenden zu können.


Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Semester, ins neue Schuljahr oder eine gute Fahrt und immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel!


Eure Lea

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