Der letzte Einsatz als Prakti

Am 02. August war es endlich so weit und ich durfte nach einem kompletten Jahr an Land endlich wieder auf See - und dieses Mal zu meinem letzten Einsatz als Praktikant auf AIDAstella.

 

Nachdem ich in Hamburg angemustert hatte, die üblichen Prozeduren wie Uniformanprobe, erste Einweisungen in Arbeits- und Umweltschutz und andere Sicherheitsaspekte, verließen wir am frühen Abend die Hansestadt. Da Hamburg Cruise Days waren, wurden wir mit einem riesigen Feuerwerk verabschiedet und fuhren eine Parade mit anderen Kreuzfahrtschiffen, u.a. der MSC Orchestra, der Europa 2 und der Deutschland, dem Traumschiff aus der gleichnamigen ZDF Serie.

 

Kaum hatten wir die Elbe verlassen gingen wir auf Süd-Westlichen Kurs und erreichten nach einem Seetag auf der ruhigen Nordsee die Schleusen und somit auch wenige Stunden später die wunderschöne Hauptstadt der Niederlanden - Amsterdam.

 

Jedes Mal wenn wir nun diese schöne Stadt mit ihren malerischen Grachten, dem bunten Treiben im Rotlichtviertel bei Nacht und den unzähligen Coffee-Shops besuchten, nutze ich die Gelegenheit mit anderen Besatzungsmitgliedern an Land zu gehen und immer wieder neue Ecken zu erkunden:

Nachdem wir Amsterdam immer über Nacht am Liegeplatz geblieben waren und somit auch in der Dunkelheit die Stadt erkunden konnten, machten wir uns am späten Nachmittag des zweiten Hafentages wieder auf den Weg, durchquerten die Schleusen und nahmen Kurs auf die andere Seite... nach Dover.


Schon von weitem konnte man in der Morgensonne die berühmten Kreidefelsen erkennen und spätestens mit Blick auf das Radar und den starken Verkehr war klar, wir sind im englischen Kanal angekommen. Leider ergab sich bei keinem der beiden Anläufe in Dover die Gelegenheit für mich an Land zu gehen, sodass mir hier nur der Blick von Bord aus blieb:

AIDAstella blieb auch nur für wenige Stunden in der Hafenstadt an der britischen Südküste und nahm anschließend Kurs durch den englischen Kanal und durchquerte bei bestem Wetter und einer See der Marke "Ententeich" die Biscaya. Dieses Seegebiet vor der französischen Atlantikküste ist eigentlich berühmt für sein schlechtes Wetter - was ich jedoch in meinen inzwischen fünf Jahren Seefahrt und zahlreichen Passagen kaum bemerken konnte.


Nach einem Seetag auf dem Atlantik und einem Aufenthalt in Ferrol, welches wir zu einem späteren Zeitpunkt meines Einsatzes noch einmal anliefen und ich deshalb erst weiter unten etwas dazu erzähle, liefen wir in die Bucht von Santander in Nordspanien ein und machten dort am Getreideterminal fest.


Kaum hatte man jedoch den staubigen Hafenbereich verlassen, erstreckte sich eine wunderschöne Küstenlinie, gesäumt mit Parks, Cafés und Stränden vor einem. Und auch wenn auf den Bildern viele Wolken zu sehen sind, bei knapp 24°C und einem lauen Lüftchen lies es sich an diesem schönen Fleck durchaus aushalten:

Nur wenige Seemeilen weiter, auf dem Rückweg in den englischen Kanal, liefen wir dann Le Verdon sur Mer in Frankreich an. Der Liegeplatz bestand hier jedoch lediglich aus einer Betonpier mitten im Nirgendwo.


Für unsere Gäste bot sich von hier aus jedoch eine wunderbare Gelegenheit ins nahegelegene Bordeaux zu fahren und dort die Weinberge und Schlösser zu besichtigen. Doch auch für uns Crewmitglieder, die meist nur relativ wenig Zeit für den Landgang haben, und Gäste die keinen Tagesausflug unternehmen wollten, ergab sich mit einem Shuttlebus eine Möglichkeit in die nächste Stadt, Soulac sur Mer, zu fahren. Ein Paradies für jeden der lange Strände am Atlantik zu schätzen weiß, aber seht selbst:

Nach dem Strandausflug ging es dann zurück in den englischen Kanal und nach Le Havre - mal wieder. Ich habe aufgehört zu zählen wie oft ich diese Betonstadt im Norden Frankreichs inzwischen angelaufen habe... und letztes Jahr hier sogar auf MSC Uganda angemustert habe.


Doch dieses Mal bot mir der Kapitän, mit dem ich 9 Monate meiner 12 Monate dauernden Ausbildung gemeinsam und sehr gerne gefahren bin, die Gelegenheit kurzfristig als Hilfsscout die Tour "Pariser Highlights" begleiten durfte.


Mit einem großen Reisebus ging es also direkt nach dem Anlegen ca. zwei Stunden durch Nordfrankreich und anschließend auf eine Runde durch das Verkehrschaos der französischen Hauptstadt. Nach einer Stunde Freizeit am Louvre und einem Fotostop am Eifelturm ging es dann auch schon wieder zurück und wir erreichten um 19 Uhr, nach 10 Stunden Ausflug und kurz vor Auslaufen unsere schöne AIDAstella wieder. Ein sehr anstrengender Tag, aber eine gute Gelegenheit für jeden, der einfach schnell und kurz die Highlights dieser Weltmetropole erleben möchte:

Nach diesem ereignisreichen und langen Tag versegelten wir durch die Nordsee wieder zurück in unseren Basishafen Hamburg, wo nach 14 Tagen für die Gäste die Reise, und somit auch meine erste Reise zu Ende ging.


Noch am selben Abend manövrierten wir wieder über die Elbe zurück auf die Nordsee, besuchten Amsterdam und Southampton und nahmen dann Kurs auf den hohen Norden.

Zwei ganze Seetage nahm die Versegelung nach Schottland in Anspruch, genauer gesagt nach Invergordon.


Von hier aus konnten unsere Gäste bequem Loch Ness und schöne schottische Hochlandburgen besuchen. Invergordon zählt auch als geschützter Hafen für Offshore-Versorgungsschiffe und die Wartung und Reparatur großer Ölborinseln aus der Nordsee.


Für mich blieb auch hier leider nur der Blick vom Schiff auf das Dorf im hohen Norden, aber ich war ja auch zum Arbeiten und nicht zum Urlaub machen an Bord, auch wenn die bisherigen Erzählungen sicherlich den Anschein erwecken mögen ;-)

Auch wenn die Temperaturen schon deutlich gesunken waren und wir mit dem 57. Breitengrad bereits geographisch uns sehr weit im Norden befanden - es war noch Luft nach oben und so versegelten wir über einen weiteren Seetag in den Osten.


Bis zur norwegischen Küste wurden wir von einer steifen Brise und ein paar Wellen begleitet, kaum hatten wir jedoch die ersten Fjord befahren legte sich die See unter der Landabdeckung und sogar die Sonne zeigte sich hinter den hohen Bergen, die dieser Stadt auch ihren Namen gaben: Bergen.


Hier wartete eine besonders schöne Aufgabe auf mich: Ich hatte mich zuvor mit einer Bekannten aus meiner schwäbischen Heimat, die gerade ein Auslandssemester in Bergen absolviert, verabredet und zeigte ihr und einer Freundin "meine" wunderschöne AIDAstella.


Nachdem ich dann noch eine von mir zuvor geplante Übung zur Evakuierung des Theatriums mit der Sicherheitsoffizierin durchgeführt hatte und meine Hafenwache von 12 bis 16 Uhr gegangen war, den nächsten Reiseabschnitt geplant, in die Karten gezeichnet und dieselbigen noch berichtigt hatte, bekam ich noch eine Stunde lang Gelegenheit die Stadt zu erkunden und konnte trotz der kurzen Zeit erfolgreich feststellen: Hier gefällt es mir, ich komme wieder!

Am frühen Nachmittag schmissen wir die Leinen los und verabschiedeten uns von Bergen. Durch Fjorde ging es dann die Nacht hindurch weiter und selbst in der 0-4-Wache, der ich zu diesem Zeitpunkt zugeteilt war, konnte man in der Dunkelheit die Umrisse der hohen Berge zu beiden Seiten des Schiffes erkennen.


Da ich im Mai diesen Jahres mein Befähigungszeugnis für das Führen von Rettungsbooten, kurz Rettungsbootsmann, erworben habe, konnte ich nun auch als Bootsführer eingesetzt werden.

Das verschaffte mir die Gelegenheit unmittelbar nach meiner Wache, kurz vor 5 Uhr am frühen Morgen und noch bevor die Sonne über den steilen Bergen zu sehen war, setzte ich mit der Sicherheitsoffizierin Jenny, einem Matrosen und einem Ingenieur ein Tenderboot aus und begleitete gemeinsam mit dem TV und Foto Team und Gästen, welche die Tour gewonnen hatten, unsere wunderhübsche AIDAstella in der aufgehenden Sonne durch die Fjorde bis nach Eidfjord.


Dabei entstanden diese tollen Aufnahmen, die jederzeit Lust auf eine Wiederholung machen:

Während wir durch den Fjord fahren und versuchen mit AIDAstella mitzuhalten, bekommen wir plötzlich einen Funkspruch von der Brücke: "Tender 14, navigatorischer Hinweis für Euch, Ihr habt ein U-Boot direkt voraus!"

Zunächst hielten wir das für einen kleinen Scherz unserer Kollegen am frühen Morgen, doch tatsächlich tauchte wie aus dem Nichts am Ende des Fjordes ein schwarzer Turm eines großen U-Bootes vor uns auf und passierte uns schließlich in langsamer Marschfahrt. Auch für die Gäste noch ein weiteres Highlight dieser Tour am frühen Morgen!

 

Nach der Nachtwache und der unglaublich schönen Tenderfahrt in den Sonnenaufgang habe ich mich für nur wenige Stunden hingelegt. Schließlich war dies der letzte Anlauf von AIDAstella im Eidfjord in diesem Jahr, da wollte ich natürlich noch unbedingt die Gegend mit Stefan und Lisa erkunden.

Nur einen kurzen Fußmarsch von ca. 20 Minuten entfernt vom Liegeplatz lag ein idyllisch gelegener, glasklarer Bergsee. Und nach dem Ausflug zum See trafen wir uns natürlich mit den anderen vom Schiff - am kleinen Crew-Häuschen direkt am Liegeplatz mit freiem W-Lan. Das wurde zwar mit jedem hinzukommenden Crewmitglied immer langsamer, aber somit auch immer mehr zu einem netten Zusammenkommen auf der Pier :-)


Doch auch während der anstehenden Hafenwache konnte der grandiose Ausblick mich immer wieder von meiner Arbeit am Kartentisch weglocken. Und eine kleine Crewparty zum Auslaufen aus dem Fjord hat diesen Tag natürlich noch perfekt abgerundet, aber überzeugt Euch am Besten selbst:

Doch auch die folgende Nacht verbrachten wir komplett in den Fjorden Norwegens und nahmen Kurs auf den Hafen von Stavanger. Dort nutzen Steve, einer der Wachoffiziere der 0-4-Wache, und ich die Gelegenheit ein paar Runden mit dem Rescue Boat zu drehen und dabei auch zwei weitere Besatzungsmitglieder in dessen Umgang zu schulen.


Die beiden Kollegen waren von den schnellen und sportlich gefahrenen Manövern so beeindruckt, dass sie die folgenden Wochen kaum von etwas anderem erzählten und sofort als Freiwillige bereitstanden, wenn noch Mitglieder für eine Bootsbesatzung gebraucht wurden. Nebenbei waren solche Übungsmanöver natürlich auch wieder eine gute Gelegenheit den Hafen und die angrenzende Stadt kennen zu lernen:

Stavanger war nicht nur der letzte norwegische Hafen, sondern sollte auch wieder das Ende dieser vierzehntägigen Reise bedeuten. In Hamburg wechselten wir wieder unsere Passagiere und ich bekam Besuch von einer Freundin aus Rostock.


Anschließend nahmen wir über Zeebrügge, Dover und Le Havre wieder Kurs auf Ferrol und passiertem bei abermals bestem Wetter die Biskaya.


Auch in Ferrol gab es wieder ein Gewinnspiel für die Gäste und auch hier konnte eine Tenderfahrt gewonnen werden. Dieses Mal jedoch zum Auslaufen, da AIDAstella eine Engstelle mit Burg passieren musste um wieder in den Atlantik zu gelangen. Da es auch hier der letzte Anlauf des Jahres war, wurden wir mit Salutschüssen und Soldaten in historischen Uniformen verabschiedet:

Sobald der Tender wieder sicher an Bord gehievt und seefest gelascht war konnte AIDAstella wieder Fahrt aufnehmen und setzte direkten Kurs auf Lissabon ab.


Zwar war ich in der portugiesischen Hauptstadt schon das ein oder andere Mal, aber ein Aufenthalt über Nacht ist auch hier immer etwas besonderes und die gewonnene Zeit lässt sich natürlich bei einem Stadtbummel prima nutzen:

Nachdem wir über Nacht bei strömenden Regen am Liegeplatz geblieben waren, brachen wir am frühen Nachmittag des Folgetages bei strahlendem Sonnenschein wieder auf und fuhren auf dem Tejo wieder auf den offenen Atlantik um anschließend Richtung Süd-Ost zu drehen und Richtung Meerenge von Gibraltar zu fahren. Ziel war nun Cadiz.


Auch dort war ich bereits einige Male mit AIDAbella 2011 gewesen, doch auch diese Stadt ist definitiv jeden Besuch wert, erst recht bei einem solchen Sonnenschein. Steve und ich nutzten unsere Freiwache und erkundeten eine Festungsanlage direkt am Atlantik und schlenderten bei 32°C durch die spanische Stadt und genossen die Freizeit:

Das nächste Ziel, Tanger, in Marokko lag zwar nur wenige Seemeilen entfernt, dennoch war diese Nachtwache seemännisch anspruchsvoll und für mich sehr lehrreich.

Wir durchquerten einmal komplett die Meerenge von Gibraltar, eine der am Meisten befahrenen Seeschifffahrtsstraßen dieser Welt und ich konnte live meine Kenntnisse über Kollisionsverhütung und Vorfahrtsregeln auf See anwenden.


Auch in Tanger war ich bereits öfters, habe es jedoch nie an Land geschafft oder das Bedürfnis verspürt dies zu tun. Diesen Einsatz hat es jedoch Julia geschafft und mich überredet, die marokkanische Stadt doch einmal zu erkunden. Ich konnte viele neue Eindrücke gewinnen und der Ausflug mit ihr hat sich auch tatsächlich gelohnt und viel Spaß gemacht, jedoch ist und bleibt Marokko definitiv kein Urlaubsziel für mich!

Nachdem wir dann am Abend Tanger verlassen hatten nahmen wir Kurs auf Casablanca und begaben uns anschließend auf die Überfahrt zu den kanarischen Inseln, dem Winterquartier von AIDAstella.


Zwar habe ich auch hier schon einige Monate an Bord von AIDAbella und AIDAstella verbracht, doch ein Overnight in Las Palmas gab es für mich auch noch nicht und schon gar nicht mit einer solch tollen Crew. Natürlich nutzen wir die spontan verlängerte Liegezeit sofort und verbrachten den Abend gemeinsam in einer Cocktailbar ;-)

Auch nutzte ich meinen letzten Einsatz als Praktikant um das erste Mal die schöne Insel La Palma richtig zu erkunden und begab mich mit unserem Blümchen, der Spitzname für die Floristin an Bord, auf Wanderung in die Berge. Bei 30°C und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von nahezu 99% für mich eine Qual, während sie da einfach fröhlich hochgelaufen ist :D

aber die Aussicht war es allemal wert!

Natürlich darf auf einer Kanarenkreuzfahrt die Blumeninsel Madeira nicht fehlen und wenn man schon dort ist, dann sind heißer Stein und ein Besuch im Casino selbstverständlich wieder Pflicht!


Und damit ihr nicht immer noch denkt, ich hätte nur meine Freizeit genossen, habe ich euch auch ein paar Bilder von meiner Arbeit angehängt. Bei solchen Aussichten könnt ihr euch sicher denken, weshalb ich diesen Job jeden Tag auf's Neue mit Spaß und Freude mache :-)

Den Abschluss dieser zwei tollen Monate an Bord von AIDAstella bildete noch ein letzter Landgang in Arrecife auf Lanzarote und natürlich ein toller letzter Abend in der Crewbar mit all den tollen Leuten die ich kennen lernen durfte!

Die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Trotzdem waren die zwei Monate sehr lehrreich und ich konnte mein gesamtes in der Hochschule angeeignetes Wissen anwenden. Ich freue mich jetzt noch zwei Semester zu studieren, auf die Praxisausbildung im Simulator und natürlich darauf bald die Bachelorthesis beginnen zu können.


Bis dahin ist aber noch einiges an Arbeit und ich hoffe ich sehe vorher einige wieder, die diesen Einsatz so unvergesslich gemacht haben!

Und mit etwas Glück bin ich nächsten Sommer schon wieder an Bord von AIDAstella - dann aber als dritter nautischer Offizier ;-)

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