Europas Handelshäfen, der Atlantik und eine Planänderung

Lange hat dieser Blogeintrag auf sich warten lassen, die Zeit hat einfach gefehlt und dann hat die Technik nicht mitgespielt. Auch wenn er jetzt im Dezember erscheint, er ist vom September und die versprochene Fortsetzung über meine Fahrzeit auf MSC Uganda.

 

Zunächst hier noch ein paar Impressionen aus dem Pentland Fjord in Schottland, einer engen Durchfahrt im hohen Norden vom Atlantik in die Nordsee. Schöne Leuchttürem zieren die teilweise steilen Klippen, weite Wiesen und Kühe prägen das Landschaftsbild in dieser oft nebeligen und navigatorisch anspruchsvollen Passage:

Nach unserem Zwischenstopp in Bremerhaven, einem Crewwechsel und einer sehr spannenden Ladungswache mit einigen Zwischenfällen, nahmen wir Kurs auf Felixstowe, dem größten Containerhafen Englands. Hier mussten wir jedoch noch auf andere Schiffe warten die aus ganz Europa und Asien Container brachten, die wir mit in die USA nehmen sollten.

 

Auch wenn der Containerhafen der größte der Insel sein soll, die Stadt in der er liegt, ist es sicher nicht:

Mit inzwischen zwei Tagen Verspätung konnten wir schon in der selben Nacht noch Felixstowe verlassen und nahmen Kurs auf Antwerpen. Dort sollten wir endlich den Großteil unserer Ladung für die USA aufnehmen und zudem unsere Treibstoff- und Frischwasservorräte auffüllen.

 

Um nach Antwerpen zu gelangen muss man zunächst die Schelte, den verbindenden Fluss zwischen Nordsee und Hafen, befahren und anschließend die großen Schleusen des Hafens passieren. Für mich die erste Schleusung mit einem so großen Schiff und daher etwas ganz besonderes. Eine "Aufzugfahrt" über wenige Meter kann hier bei diesen Dimensionen auch schnell mehr als eine Stunde dauern. Wenn dabei jedoch die Sonne noch über der Schleuse untergeht, kommt einem die Zeit bei Weitem nicht so lange vor:

Da ich nicht wusste, wann ich das nächste Mal an Land kommen würde und auch wieder die 10-tägige Atlantiküberquerung bevorstand, nutze ich gemeinsam mit einem Wachmatrosen die Gelegenheit an Land zu gehen. Uns wurde ein Supermarkt in unmittelbarer Nähe zum Hafen empfohlen.

 

Dank freundlicher Trucker und Hafenmitarbeiter wurde uns jedoch das falsche Dorf empfohlen, sodass wir ganze 10km Umweg liefen, bis wir eine Bushaltestelle mitten auf dem platten Land gefunden haben und mit diesem bis direkt vor die Türe des gesuchten Supermarktes fahren konnten. Ihr könnt euch ja vorstellen, dass diese Geschichte für das ein oder andere Grinsen an Bord gesorgt hat, aber dafür haben wir wenigstens etwas von Belgien sehen können:

In Antwerpen lagen wir zwei Tage und nahmen anschließend, nach erneuter Schleusung und Passage der Schelte, Kurs auf Le Havre in Frankreich. Dort begann ja auch knapp einen Monat zuvor mein Einsatz auf der MSC Uganda. Wieder mussten wir zunächst auf Reede gehen, da der Liegeplatz noch nicht frei war.

Nachdem wir endlich Einlaufen konnten wurde schnell klar, dass wir nur wenige Container löschen (entladen) und noch weniger laden würden. So minimierte sich die Liegezeit auf gerade einmal 6 Stunden. Für uns auf Ladungswache war das bei Weitem nicht so anstrengend wie für die Schiffsführung: Zwei Crewmitgliedern mussten zu einem Arztbesuch an Land, zwei neue Passagiere für die Überfahrt sollten an Bord kommen und waren zunächst nicht per Handy zu erreichen. Der große Lichtblick war jedoch wieder der deutsche Seemannspastor, der uns wieder Wein und leckeren Käse für unseren französischen Abend vorbei brachte.

Wenige Stunden nach dem Auslaufen, wir hatten gerade den englischen Kanal verlassen, erhielten wir zwei Nachrichten an Bord: Erstens sollte sich das Wetter in den nächsten Tagen deutlich verschlechtern und die Überfahrt nicht so gemütlich werden wie meine erste. Und zweitens sollten wir direkten Kurs auf Boston statt auf New York nehmen, da das Schiff die Route ändern sollte. Für mich hieß das auch direkt, dass ein Abstieg in Bremerhaven gestrichen war und ich in den USA abmustern musste, um rechtzeitig zum Studium zurück in Rostock zu sein.

 

Auch hatte ich mit dem Auslaufen die Wache gewechselt und begleitete jetzt den erfahrenen Chief Mate (Erster Offizier) auf seiner 4-8-Wache und seiner Tagesarbeit. Bei ihm konnte ich unglaublich viel in Sachen Navigation, Astronomie und Meteorologie erlernen. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir noch nie so bewusst gewesen, was Sterne und vor allem Wolken alles so verraten können. Er übertrug mir auch die Kontrolle der Kühlcontainer an Bord, sog. Reefer, die ich auch bei dem immer schlechter werdenden Wetter zweimal am Tag auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüfte.

 

Da er selbst auch als Bootsmann viele Jahre gefahren war, konnte ich von ihm auch sehr viel über Konservierung, Instandhaltung und auch allgemeinen Schiffbau lernen, was auf den Kreuzfahrtschiffen bisher nicht möglich war.

Nach einer 8-tägigen Atlantikpassage erreichten wir dann endlich auch Boston und fuhren an der US-Ostküste gen Süden. Auf dem Weg liefen wir die gleichen Häfen an wie auch schon auf meiner ersten Reise, nur dass wir dann nach Baltimore nicht zurück nach New York, sondern weiter nach Savannah fuhren.

 

Auch in Norfolk legten wir wieder für wenige Stunden an und hatten Gelegenheit die Atlantikflotte der Vereinigten Staaten in ihrer fast kompletten Größe bewundern zu können, die sich zu diesem Zeitpunkt auf einen möglichen Eingriff in Syrien vorbereiteten.

Knapp zwei Monate nach meiner Anmusterung in Le Havre musterte ich dann in Savannah ab. Da mein Flug von Savannah über Detroit und Amsterdam nach Hamburg erst am nächsten Tag gehen sollte, hatte ich mit dem ebenfalls abgemusterten deutschen zweiten Offizier Gelegenheit, nach den komplizierten Einreiseformalitäten noch einen Tag bzw. eine Nacht im schönen Savannah zu bleiben und die Stadt und ihr Nachtleben kennen zu lernen.

Ein gelungener Abschluss dieses lehrreichen und vor allem spannenden Einsatz auf der MSC Uganda, aber ich bin auch ganz froh, dass ich den nächsten Sommer wieder auf der Kreuzfahrtflotte Dienst tun kann. Seefahrt ist eben nicht gleich Seefahrt, auch wenn beide Sparten durchaus ihre Vorzüge haben :)

 

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