Erstes Lebenszeichen 2013

"Hola"

Seit einiger Zeit habe ich mich nicht mehr gemeldet und das nächste Status-Update ist bereits lange überfällig.

Das neue Jahr ist nun schon fast einen Monat alt und für meine beiden Mitstreiter und mich brechen heute die letzten beiden Wochen unseres ersten Bordeinsatzes an. In den letzten 2 Monaten haben wir uns etwas aufgeteilt und sind jetzt alle in verschiedenen Bereichen unterwegs.

Mitte Dezember bis Mitte Januar konnte ich für vier Wochen einen Einblick in den Bereich Maschine gewinnen. Die ganzen Anlagen tief im Maschinenraum der AIDAsol waren mir zunächst nicht so ganz geheuer, aber als ich anfing, ihre Aufgaben und Arbeitsweisen zu verstehen, wurden sie mir um einiges sympathischer und weckten mehr und mehr mein Interesse. Ich war die meiste Zeit über mit dem Senior oder dem Day Engineer unterwegs und lernte einiges über die verschiedenen Feuerlöschsysteme sowohl im Maschinenraum, als auch im Rest des Schiffes; das Steuerungssystem IAMCS, mit dem fast alle Anlagen am Bildschirm per Mausklick überwacht und bedient werden; die Funktionsweise der Müllverbrennungsanlage, deren Brenner wir auseinanderbauten; Bunker- und Sludgeabgabeoperationen; die Antriebsanlage; die diesel-elektrischen Hauptmaschinen, die das gesamte Schiff rund um die Uhr mit Strom versorgen; die Motoren der Rettungsboote und Tender, die vom Tagesingenieur wöchentlich gewartet werden; das umfangreiche Wassersystem an Bord, angefangen mit dem Seekasten, den wir reinigten, bis hin zur komplizierten Trinkwassererzeugung; die Separatoren, die Hydraulik- und Schweröl aufbereiten und vieles mehr. Besonders spannend fand ich die Ruderanlage, an der ich eigenhändig beim Austausch eines Stücks der Hydraulik-Öl Leitung mithelfen durfte.

Ein besonderes Highlight war für mich auch der Jahreswechsel. Nachdem wir von nachmittags um 2 bis abends um 9 getendert hatten, warfen sich alle in Schale und genossen das imposante Feuerwerk in Funchal. Zusammen mit der Queen Elisabeth hatten wir vom Wasser aus wohl die beste Aussicht.

Vor und nach meinem Praktikum in der Maschine war ich mit den Sicherheitsoffizieren unterwegs. Für uns Trainees wurde ein Fire Training organisiert, bei dem wir in die Rolle eines Mitgliedes des Fire Teams schlüpften und wie schon beim Basic Safety Training die eingeschränkte Bewegungsfreiheit in der Feuerwehrmontur mit Pressluftatmer zu spüren bekamen. Bei der Person über Bord Übung hieß es dann: Erst das Vergnügen und dann die Arbeit. Nachdem auch ich mit unserem Fast Rescue Boot und den kritischen Augen des Offiziers durchs Hafenbecken rasen durfte, um unseren Dummy zu retten, war Motor Spülen angesagt, um die Korrosion des Kühlwassersystems durch Salzablagerungen zu vermeiden.

In den letzten Tagen habe ich viel mit unserem Safety LSA zusammengearbeitet, dem Sicherheitsoffizier, der sich an Bord um die Life Saving Appliances, also Rettungsboote, Rettungsinseln usw. kümmert. Gemeinsam organisieren und veranstalten wir die verschiedenen Notfall-Übungen und werten sie anschließend aus.

Auch an Deck übernehme ich unter der Aufsicht des wachhabenden Offiziers schon einge Aufgaben wie zum Beispiel das Führen des Logbuches und der Departure Checkliste, gehen Ruder und erlerne die korrekte Kommunikation zwischen Manöverstation und Brücke während des An- und Ablegens.

Außerdem habe ich unseren Umweltoffizier bei seiner Arbeit begleitet. Er zeigte mir, was er alles bei der Müllabgabe im Hafen und der Überprüfung der verschiedenen Dokumentationen beachten muss und gemeinsam analysierten wir wie im Chemieunterricht mit verschiedenen Tests das an Bord aufbereitete Abwasser.

Auch auf der Bühne und im AIDA TV live bin ich seit letzter Woche nun regelmäßig zu sehen. Im Theatrium präsentieren wir Nautik Trainees jeden Sonntag die Wetterphänomene auf den Kanarischen Inseln, was bei den Gästen bisher sehr gut ankam. Dienstags stelle ich dann im TV im Rahmen der täglichen live Sendung ein paar Seemannsknoten und unsere Aufgaben an Bord vor.

Wenn ich auf die Zeit hier an Bord zurückblicke, bin ich selbst etwas überwältigt von allem, was wir gesehen, erlebt und gelernt haben.

In diesem Sinne möchte ich mich auch bei den vielen Kollegen, die uns so herzlich aufgenommen und uns all diese Einblicke gewährt haben, bedanken. Sie machten die Zeit an Bord für mich zu etwas ganz Besonderem.

Ich gehe also mit einem lachenden und einem weinenden Auge für 4 Wochen in den kalten Norden zurück und freue mich schon, am 9. März wieder auf „meine“ AIDAsol aufzusteigen.

Bis dahin melde ich mich ab und wünsche euch allen nachträglich ein tolles Jahr 2013 mit vielen interessanten Erlebnissen, Begegnungen und Überraschungen!

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