Das Küken meldet sich mal wieder zu Wort

Nun ist es schon wieder knapp zwei Monate her, dass ich mich hier das letzte Mal zu Wort gemeldet habe. Dafür habe ich aber auch eine super Entschuldigung: Es ist nämlich mal wieder so viel passiert, ich habe verdammt viel Neues gelernt und entdeckt und es blieb einfach keine Zeit und manchmal auch keine Verbindung ins Netz um den Blog mal wieder aufzupolieren.

 

Aber heute, in Warnemünde, finde ich endlich einmal wieder Gelegenheit dazu, und aufgrund der langen Zeitspanne fange ich auch mal gaaaanz weit in der Vergangenheit an, nämlich mit der Taufe unserer „kleinen“ Schwester AIDAmar in Hamburg, am 13. Mai 2012. Ich durfte das komplette Event von der Brücke aus beobachten, von der atemberaubenden Sternformation mit unseren Schwesterschiffen AIDAluna und AIDAblu, bis hin zum eigentlichen Taufakt und Feuerwerk, welche nur wenige Meter vor meiner Nase stattfanden. Diese Bilder sollen euch mal einen kleinen Eindruck von dem Spektakel verschaffen, ein Video und viele tolle Fotos findet ihr aber auch auf der Homepage von AIDA:

Aber natürlich war ich auch in Sachen Ausbildung nicht untätig. Nachdem ich die 0-4-Wache hinter mir gelassen habe, bin ich in die 4-8-Wache gewechselt. In dieser Wache gibt es immer wieder spannendes zu entdecken und zu lernen, denn in ihr liegen die An- und Ablegemanöver des Schiffes, während derer ich den Kapitän, Staffkapitän und den Lotsen unterstützen konnte. Zur Ausbildung jedes Nautikers gehört es auch das Schiff zu steuern, für mich ergab sich die perfekte Gelegenheit dazu in der weitläufigen Schärenlandschaft vor Stockholm. Es gehört schon einiges an Konzentration dazu, um sich wirklich nur auf das Steuern zu konzentrieren, während die atemberaubende Landschaft in der aufgehenden Morgensonne an einem vorbeizieht.

Auch ich habe hin und wieder Zeit gefunden und die Gelegenheit genutzt, einige Städte unserer Reiseroute zu besichtigen. Unter anderem war ich, während meine Familie an Bord im Urlaub war, Hilfsscout in St. Petersburg oder besuchte die russische Zarenmetropole an der Ostsee mit Kollegen im Rahmen eines extra organisierten Crewausflugs.

Seit einem guten Monat nun unterstütze ich unseren Sicherheitsoffizier für „Life Saving Appliances“ (Rettungsmittel) Martin Rittig, zunächst nur halbtags, und nachmittags gingen wir gemeinsam 16-20-Wache, inzwischen aber sogar ganztags, da ein weiterer Nautiker an Bord gekommen ist und unsere Sicherheitsoffiziere somit derzeit wachfrei sind.

 

Am frühen Morgen beginnt unser Tag also mit dem Anlegen, bei dem ich unter seiner Aufsicht eine der beiden Manöverstation leiten darf. Anschließend wenden wir uns dem Drillplan, der Instandhaltung unserer Rettungsmittel oder der Schulung der Besatzung zu.

Dabei darf ich, natürlich unter Anleitung und Aufsicht, schon viele Aufgaben alleine übernehmen und u.a. ein paar Besatzungsmitglieder im Umgang mit unseren Rettungsmitteln schulen. Immer wieder toll mit unserem Schnelleinsatzboot hinauszufahren, wenn auch immer der wahre Nutzen dieses Bootes – das Retten einer über Bord gegangenen Person – im Vordergrund steht. Beim letzten Mann über Bord Manöver durfte ich als Bootsführer dabei sein und – das macht schon ein klein wenig stolz – brauchte gerade einmal zwei Minuten um das vermeintliche Opfer, dargestellt durch meinen Kollegen Malte aus der kalten Ostsee zu bergen.

 

Einmal pro Jahr tauschen wir auch unsere MES aus, ein System aus miteinander verbundenen Rettungsinseln, um sie zur Wartung zu schicken. An Bord von AIDAsol war es nun zum ersten Mal so weit und wir tauschten in Tallinn die 10 Inseln unserer Backbord Seite aus, nächstes Mal folgt dann die MES an Steuerbord.

Und ich wollte ja nicht Nautiker auf einem Kreuzfahrtschiff werden, wenn da nicht noch der Gästekontakt wäre. Einmal pro Reise besuche ich unseren Media Manager im Live-Fernsehen aus dem eigenen TV Studio auf Deck 9 und berichte über die Arbeit eines Nautikers und die Ausbildung bei AIDA. Auch für unsere kleinen und fast schon großen Gäste bin ich einmal pro Reise während der Kids- und Teensfragestunden Ansprechpartner für Fragen wirklich aller Art. Und das sind wirklich sehr kreative … sie reichen von der Umrechnung von Knoten in km/h, über die Anzahl der Toilettendeckel an Bord bis zur Frage, was man denn als Nachwuchsoffizier für Unterhosen trage.

 

Ihr merkt schon, es handelt sich jedes Mal um eine sehr lustige Veranstaltung, die schon damit beginnt, dass sich die Kids & Teens Crew jedes Mal ein neues Sitzmöbel für uns ausdenkt, wie zum Beispiel kleine Gummitiere.

 

Vorletzte Reise gab es dann auch noch eine kleine Besonderheit für unsere Gäste: Offiziersshaken – Maschine und Brücke gegen den Hotelbereich – natürlich mit einem klaren Ausgang für uns … auch wenn das Hotel dies bis heute bestreitet ;-)

So, ich denke das reicht jetzt aber nun wirklich wieder fürs Erste. Und damit kommt auch noch eine kleine Ankündigung… dies war wohl der vorerst letzte Blogeintrag von Bord der AIDAsol. Ich bin zwar länger als geplant, nämlich bis zum 03. August an Bord, aber danach geht es für mich zunächst an Land, zum Studium an die Hochschule in Warnemünde bzw. nebenher an die AIDA Academy. Zulassung ist bereits eingetrudelt, Wohnung ist auch bereits gefunden.

 

Das bedeutet aber nicht, dass dieser Blog und die Homepage ausstirbt, ich versorge euch weiterhin mit Infos aus der Welt der Seefahrt, spätestens wenn ich das nächste Mal wieder auf See gehe!

 

Und wer sich nun fragt, was denn die Überschrift zu bedeuten hat, dem sie hier auch noch schnell und einfach Abhilfe verschaffen – ich bin schlicht und ergreifend das jüngste Crewmitglied und damit eben das Küken an Bord von AIDAsol ;-)

 

Bis dahin, macht’s gut!

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