Seemännische Tugenden vermittelt

Kreiszeitung Wesermarsch am 26. September 2011


Patrick le Plat und Kapitän Jens Wilbertz (rechts)
Patrick le Plat und Kapitän Jens Wilbertz (rechts)

Elsfleth. „Ich bin kaputt und müde“, sagt Patrick le Plat. Der nautische Offiziersassistent hat nach einer Ausbildungsfahrt mit der „Großherzogin Elisabeth“ gerade in Elsfleth festgemacht. So wie ihm geht es auch den anderen angehenden Nautikern und Schiffsbetriebstechnikern.  

Von Renate Detje

So anstrengend die Fahrt auch war, „sie hat total viel Spaß gemacht und war sehr lehrreich“, sagte Patrick le Plat, dessen Berufswunsch der des Kapitäns auf einem Kreuzfahrtschiff ist. Seit Anfang September lässt die größte Deutsche Kreuzfahrtreederei AIDA Cruises ihren seemännischen Nachwuchs auf dem Dreimaster „Großherzogin Elisabeth“ ausbilden.

Mit dieser Grundausbildung, unter anderem in Navigation, Knotenkunde, Signaldienst und Wetterkunde sowie im Spleißen, Umgang mit der Takelage und den Segeln soll das seemännische Rüstzeug intensiver vermittelt werden. Das geschieht unter dem Gesichtspunkt, die auf der „Lissy“ ausgebildeten Nautiker, Schiffsbetriebstechniker und Mechatroniker – sie nehmen am zweiten Teil der Ausbildungsfahrt teil – an Bord eines AIDA-Kreuzfahrtschiffes gezielter einsetzen zu können.

 

Zeitgemäße Ausbildung

Dass es etwas anderes ist, ob man auf einem Segelschiff mit 63 Metern Länge oder einem großen Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, das weiß sogar der Laie. Die Frage, ob eine Ausbildung auf einem Segelschiff noch zeitgemäß ist, beantwortete Kapitän Jens Wilbertz, der die erste Ausbildungsfahrt leitete, mit einem klaren Ja.

Mehrere Aspekte sprechen seiner Ansicht nach dafür. Da sind Teamfähigkeit, das Erlernen von seemännischen Tugenden, Disziplin und auch ein gewisser Grad der Persönlichkeitsfindung. Das alles sei auf dem Segelschiff „in hervorragender Form“ gegeben. Die räumliche Enge zwinge zur gegenseitigen Rücksichtnahme und zu einem bewussteren Umgang miteinander.

„Wind und Wetter hautnah erlebt, sind die wichtigsten Faktoren in der Seefahrt. Die kann man nur auf einem Segelschiff vermitteln“, weiß der erfahrene Kapitän. „Hier können die jungen Leute ein Gefühl für die Seefahrt entwickeln. Sie lernen auch, Gefahren auf einem Schiff erkennen“. Die „Lissy“ sei dafür sehr gut geeignet, denn sie ist, anders als die großen Schiffe, dauernd in Bewegung“, weiß Jens Wilbertz und fügt hinzu: „Was die jungen Leute hier mitnehmen, ist für ihr späteres Leben an Bord unersetzlich.“

Der Kapitän, auch Dozent am Fachbereich Seefahrt, lobt die ersten Absolventen. „Wir haben intensiv gearbeitet und in kurzer Zeit aus den jungen Menschen Seeleute gemacht.“

 

Kutterpullen

Dabei hat der Kapitän natürlich auch auf die Erfahrung der Stammbesatzung zurückgegriffen. Er weiß, dass er sich auf seine Leute verlassen kann, vor allem auf den sehr erfahrenen Bestmann Siegfried Apel. „Doch auch die Auszubildenden halten nicht mit Lob hinter dem Berg zurück: „Das war total klasse“, sind sich alle einig. Das Wochenende haben die jungen Seeleute in Elsfleth unter anderem mit Kutterpullen verbracht. Doch am heutigen Montag heißt es wieder „Leinen los“ für den zweiten Teil der Ausbildungsfahrt.