Der Karrierekurs führt über die Weltmeere

Gäubote am 06. September 2012


Patrick le Plat (20) arbeitet für AIDA Cruises
Patrick le Plat (20) arbeitet für AIDA Cruises

Ein Kreuzfahrtschiff passiert Lanzarote. Im Meer tummeln sich Delfine, Schildkröten und sogar Wale, begleiten das Schiff auf seinem Weg und unterhalten die Menschen an Bord mit Fontänen und lustigen Wasserspielen. Was für die durchschnittliche "Landratte" Urlaub ist, ist für den 20-jährigen Patrick le Plat Arbeitsalltag. Er gehört zu den Menschen, die das Schiff täglich manövrieren und für die Sicherheit der Passagiere sorgen, denn der Herrenberger fährt als nautischer Offiziersassistent für die Rostocker Reederei "AIDA Cruises" zur See.

Lisa Hörmann

 

Im Frühjahr 2011 das Abitur am Schickhardt-Gymnasium Herrenberg bestehen und ein Jahr später schon auf Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote, in Lissabon, Casablanca, Le Havre, Oslo, St. Petersburg, Helsinki und vielen weiteren Orten weltweit gewesen sein: Das schafft man nur, wenn man wie Patrick le Plat direkt nach der Schule eine Karriere auf See beginnt. Bereits im August 2011 begann seine Ausbildung mit dem "Basic Safety Training" für Seeleute in Rostock, von wo es direkt zur seemännischen Grundausbildung auf das Segelschulschiff "Großherzogin Elisabeth" ging. Seit dem 10. Oktober lernt le Plat nun auf verschiedenen Schiffen von "AIDA Cruises" alles über das Manövrieren und die technischen Systeme eines Schiffes, den Umgang mit Rettungsmitteln bis hin dazu, wie man ein Schiff im Hafen korrekt vertäut. Fast nebenbei hat er dabei inzwischen knapp 140 000 Kilometer auf See zurückgelegt, die Welt also mehr als zweimal umrundet.

 

Den Wunsch, auf See zu arbeiten, äußerte Patrick le Plat schon im Alter von fünf Jahren. Bereits in der elften Klasse absolvierte er ein Praktikum auf einem Großcontainerschiff und fuhr von Hamburg in drei Monaten nach Asien und wieder zurück. Heute, nach beinahe einem weiteren Jahr Dienstzeit auf See, ist er von seiner Wahl überzeugter denn je: "Momente wie zum Beispiel ein Sonnenaufgang über den Schären vor Stockholm oder eine klare Vollmondnacht auf See lassen jeden noch so kleinen Zweifel an meiner Berufswahl gar nicht erst aufkommen."

 

Dabei ist der Alltag eines Crewmitglieds auf See das genaue Gegenteil vom entspannten Urlaub der Passagiere. Von 4 Uhr bis 8 Uhr sowie von 16 Uhr bis 20 Uhr unterstützt Patrick le Plat den wachhabenden nautischen Wachoffizier, der in Vertretung des Kapitäns für das Schiff und die Navigation verantwortlich ist, indem er unter anderem die Brückentagebücher schreibt, Ausguck geht oder die Position des Schiffes bestimmt und in die Karte einbringt. Währenddessen stellt er Fragen, bekommt den Umgang mit dem Radar oder der elektronischen Seekarte erklärt und lernt, diese Dinge auch gleich praktisch anzuwenden. "Besonders gerne steuer ich meine AIDAsol auf Anweisung des Kapitäns oder übe mit dem Rettungsboot Fahrmanöver", so le Plat. Nahezu täglich finden auch Fortbildungen und Sicherheitsübungen statt, bei denen zum Beispiel trainiert wird, wie ein Rettungsboot gefahren wird und Rettungswesten und Überlebensanzüge richtig angewendet werden. Dreimal pro Woche bringt ein Wachoffizier und früherer Ausbilder bei der Marine Patrick le Plat und den anderen Offiziersassistenten zusätzlich theoretisches Wissen über Seekartenarbeit, Meteorologie oder Astronomie bei. Hinzu kommt dann noch die zeitaufwendige Dokumentation seiner Ausbildung, die einzige Aufgabe, die auch ihm hin und wieder weniger Spaß macht. Die Möglichkeiten, die übrige Freizeit zu gestalten, sind dann aber sehr vielfältig. "Ob man abends gemütlich mit den Kollegen zusammensitzt oder im eigenen Sportbereich, dem Passagiersportbereich oder der eigenen Crew-Sauna den Tag ausklingen lässt, ist jedem selbst überlassen", erzählt Patrick le Plat. Gerne gehe er auch mit seinen Kollegen an Land und sehe sich die Städte und Landschaften auf der Reise an. "Und wenn es die Freiwache und auch der Ausflugsplan zulassen, dann begleite ich hin und wieder auch mal einen unserer Ausflüge für die Gäste, wie zuletzt in St. Petersburg." Einmal pro Reise singt er zusätzlich im Offiziersshantychor alte Seemannslieder für die Gäste. Genau das, der Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen, sei es, was ihn zur Kreuzschifffahrt bringe, so le Plat.

 

Der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere auf See war die Taufe der "AIDAmar" am 12. Mai in Hamburg, die größte Schiffstaufe der Welt. Nach einer Sternformation mit den Schwesterschiffen auf der Elbe und einer Schiffsparade konnte Patrick le Plat den wunderbaren Blick auf den eigentlichen Taufakt des neuen Clubschiffes von der Brücke aus genießen. "Diesen Abend werde ich wohl nie vergessen", schwärmt le Plat.

 

Die Verantwortung, die Patrick le Plat als Mitglied der Brückenbesatzung auf seinem Schiff trägt, seien für ihn inzwischen ganz "normal", erklärt er. "An Bord eines Kreuzfahrtschiffes ist jedes Crewmitglied für die Sicherheit mitverantwortlich, vom Barkeeper bis hin zum ranghöchsten nautischen oder technischen Offizier", sagt er und fühlt sich seit seinem Seminar in Rostock gut darauf vorbereitet. Es ist bereits Routine für ihn, mit offenen Augen über das Schiff zu gehen. "Ich achte mittlerweile automatisch auf kleine sicherheitsrelevante Dinge, und wenn es nur der Kinderwagen ist, den der Gast im Gang abgestellt hat.

Der könnte im Notfall Fluchtwege versperren oder sich bei Seegang verselbstständigen." Die Zweifel an der Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen, die nach dem Unglück der "Costa Concordia" im Januar dieses Jahres durch die Medien verbreitet wurden, hält Patrick le Plat für Hysterie. Er stellt fest: "Kreuzfahrten waren, sind und bleiben sicher." Nahezu täglich werden verschiedene Notfallszenarien trainiert und die Techniken weiterentwickelt, weshalb auch er selbst sich zu keiner Zeit Sorgen um seine Sicherheit an Bord macht. Dennoch bemerkt er, dass die Zweifel die Menschen zum Nachdenken anregen, die Gäste interessierten sich mehr für die Sicherheit an Bord und stellten zunehmend Fragen.

 

Mitte September beginnt er am Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar in Warnemünde das Theoriestudium Nautik/Seeverkehr zum nautischen Wachoffizier. Drei Jahre dauert dann sein Theoriestudium, aber so lange möchte le Plat nicht auf festem Boden bleiben. Für die Semesterferien sind bereits wieder Einsätze auf See geplant, um weitere Erfahrungszeit zu sammeln und um seinem großen Ziel, eines Tages Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes zu sein, näherzukommen.

 

 

 

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